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Diabetes bei Katzen: Zuckerkrankheit ist behandelbar

Diabetes kommt bei Katzen häufiger vor als viele denken und lässt sich inzwischen sogar mit einer oralen Lösung statt täglichem Insulinspritzen behandeln. Gut zu wissen: Die Erkrankungswahrscheinlichkeit ist bei männlichen Tieren höher als bei weiblichen und steigt mit zunehmendem Alter an. Schätzungen zufolge leiden bis zu zwei von hundert Katzen an der Stoffwechselstörung Diabetes mellitus. Und die Häufigkeit nimmt weiter zu: In den vergangenen Jahrzehnten stieg der Anteil an Diabetiker-Katzen deutlich an.1 Als Auslöser vermuten Experten veränderte Haltungs- und Fütterungsbedingungen. Früh diagnostiziert, lässt sich eine Katze mit Diabetes im Normalfall gut behandeln. Ohne Therapie wird die Krankheit aber lebensgefährlich. Achten Sie daher auf die typischen Symptome von Diabetes bei der Katze und bringen Sie das Tier im Verdachtsfall schnellstmöglich zur Untersuchung in die Tierarztpraxis.

Katze beim Fressen: Manche Katzen mit Diabetes versuchen, den Energiemangel durch mehr Essen auszugleichen.
Katze beim Fressen: Manche Katzen mit Diabetes versuchen, den Energiemangel durch mehr Essen auszugleichen.

Was passiert im Körper einer Katze mit Diabetes?

Die Stoffwechselstörung Diabetes mellitus hängt mit dem körpereigenen Hormon Insulin zusammen. Insulin ist wichtig im Organismus, um die Glukose aus der Nahrung in die Zellen zu schleusen, wo sie zur Energiegewinnung genutzt wird. Im Fall von Diabetes produziert der Körper selbst nicht genügend Insulin (Insulinmangel) und/oder insulinabhängige Gewebe sprechen nicht ausreichend auf das Hormon an (Insulinresistenz). In der Folge gelangt die Glukose nicht in die Zellen, sondern verbleibt im Blut: Der Blutzuckerspiegel steigt an und es werden die klassischen Symptome des Diabetes bei Katzen ausgelöst.2

Schon gewusst?

Der Begriff ‚Diabetes‘ ist griechisch für ‚Durchfluss‘, während ‚mellitus‘ aus dem Lateinischen kommt und ‚honigsüß‘ bedeutet. Im Volksmund ist Diabetes mellitus auch als ‚Zuckerkrankheit‘ bekannt. Katzen mit Diabetes haben zu viel Zucker (Glukose) im Blutkreislauf und im Urin. 

Formen des Diabetes bei Katzen

Genau wie beim Menschen gibt es auch verschiedene Formen des Diabetes bei Katzen: Unterschieden werden Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes und die sogenannten ‚anderen spezifischen Typen‘. Die Einteilung richtet sich nach dem zugrundeliegenden Krankheitsmechanismus. Die meisten Katzen leiden an Typ-2-Diabetes.

  • Beim Typ-1-Diabetes liegt meist eine autoimmune Zerstörung der Insulin-erzeugenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse vor, den sogenannten β-Zellen. Die Produktion von Insulin ist dadurch vollständig gestoppt. Typ-1-Diabetes bei Katzen ist sehr selten, es ist aber die häufigste Form des Diabetes beim Hund.
     
  • Dem Typ-2-Diabetes der Katze liegen verschiedene Mechanismen zugrunde. Bedingt durch Übergewicht, Bewegungsmangel und andere Faktoren sind insulinabhängige Zellgewebe wie die Leber oder auch Fett- und Muskelgewebe resistent gegen Insulin. Der Körper versucht, dies durch vermehrte Insulinproduktion auszugleichen, was durch eine eingeschränkte Funktion der β-Zellen der Bauspeicheldrüse aber nicht möglich ist. Ca. 80 Prozent der Katzen mit Diabetes haben den Typ 2.
     
  • Bei den sogenannten „anderen spezifischen Diabetes-Typen“ handelt es sich bei Katzen um einen sekundären Diabetes. Die Stoffwechselstörung entsteht hier durch bestimmte Medikamente oder eine zugrundeliegende Erkrankung, z. B. andere Hormonerkrankungen oder chronische Krankheiten. Eine typische zugrundeliegende Hormonstörung, insbesondere bei Katern, ist die Akromegalie. Hierbei wird aufgrund eines Tumors der Hirnanhangsdrüse vermehrt Wachstumshormon – ein Gegenspieler von Insulin – ausgeschüttet. Etwa 20 Prozent der Diabetiker-Katzen haben Diabetes der ‚anderen spezifischen Typen‘.

Symptome: Hat Ihre Katze Diabetes?

Da Katzen mit Diabetes nicht ausreichend Energie aus den Kohlenhydraten ihrer Nahrung gewinnen können, sind die Tiere häufig lethargisch und antriebslos. Manche Katzen versuchen, den Energiemangel durch eine höhere Futteraufnahme auszugleichen. Doch vergeblich: Nach und nach verlieren sie an Gewicht. Das Fell der Katze wird stumpf, sie pflegt sich nicht mehr, verliert Muskulatur und wird nach und nach immer schwächer.2

Weil die aufgenommene Glukose nicht verwertet werden kann, steigt sie im Blut an und wird über den Urin ausgeschieden. Auf dem Weg durch die Nieren sorgt die hohe Glukosekonzentration dafür, dass aufgrund der osmotischen Wirkung Wasser aus dem Gewebe nachfließt und dem Körper entzogen wird. In der Folge trinkt eine Katze mit Diabetes sehr viel und uriniert auch entsprechend häufig.

Manche Katzen mit Diabetes zeigen außerdem einen sogenannten plantigraden Gang. Dabei tritt die Katze nicht nur mit ihren Pfoten auf, sondern mit ihrem gesamten Mittelfuß. Diese Art zu gehen ist ein Symptom einer diabetesbedingten Nervenkrankheit, die etwa jede zehnte Diabetiker-Katze betrifft.

Machen Sie hier den Online-Test zum Diabetesrisiko Ihrer Katze. 

Hat Ihre Katze ein erhöhtes Risiko für Diabetes?

Übergewicht ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Diabetes bei Katzen. Stubentiger, die ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen haben, erkranken etwa viermal häufiger an der Stoffwechselstörung. Weitere Risikofaktoren sind Bewegungsmangel, männliches Geschlecht, das zunehmende Alter und die Behandlung mit bestimmten Medikamenten wie Steroide.

Diabetes bei Katzen: So funktioniert die Diagnose

Katzen, die klassische Diabetes-Symptome zeigen, sollten in jedem Fall in die Tierarztpraxis gebracht werden. Dort wird der Zuckergehalt im Blut und im Urin der Katze untersucht. Doch diese Werte allein sind nicht aussagekräftig genug – so kann der Blutzuckerwert der Katze auch stressbedingt erhöht sein. Daher ist zusätzlich die Bestimmung der Fruktosaminkonzentration sinnvoll: Dieser spezielle Blutwert gibt Rückschlüsse auf den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der vorangegangenen ein bis zwei Wochen und hängt nicht vom Stresslevel der Samtpfote in der Tierarztpraxis ab.

Wie wird Diabetes bei Katzen behandelt?

Auch wenn die Diabetes-Diagnose bei Ihrer Katze zunächst ein Schock sein mag, gibt es gute Gründe, optimistisch zu bleiben: Mit der richtigen Behandlung kann das Tier ein langes, gutes Leben führen. Glücklicherweise gibt es inzwischen die Möglichkeit, Katzendiabetes mit einer Flüssigkeit zum einmal täglichen Eingeben zu behandeln. Diese senkt den Blutzuckerspiegel der Katze, indem sie die Zuckerausscheidung über den Urin steigert. Sie reduziert die Diabetes-Symptome schnell und unkompliziert. Bisher musste Diabetes bei Katzen mit einer Insulintherapie und einem speziellen Diätfuttermittel, u. a. zur Reduktion von Übergewicht, behandelt werden. Auch eventuelle Begleiterkrankungen, wie chronische Entzündungen, müssen therapiert werden.

Insulin wird als Spritze unter die Haut (subkutan) gegeben. Es stehen verschiedene Insulinpräparate zur Verfügung, die sich in ihrer Wirkdauer unterscheiden. Der Expertenverband International Society of Feline Medicine (ISFM) empfiehlt insbesondere längerwirksame Insuline zur Diabetesbehandlung bei Katzen wie Protamin-Zink-Insulin. Diese Insuline haben eine Wirkdauer, die den Blutzucker der Katze und die damit verbundenen Symptome bei zweimal täglicher Gabe gut kontrollieren. Besprechen Sie mit Ihrem Tierarztteam, welches Präparat für Ihre Katze am besten geeignet ist.

Der Blutzuckerwert Ihres Stubentigers sollte regelmäßig kontrolliert werden. Um der Katze Stress zu ersparen, ist es vorteilhaft, den Blutzucker zu Hause zu messen. Hierfür gibt es spezielle Messgeräte, sogenannte Glucometer. Auch wenn Sie dieser Gedanke im ersten Moment vielleicht erschreckt: Sie brauchen sich keine Sorgen machen, denn die meisten Katzen lassen die Messung tapfer über sich ergehen. Hat man einen sehr wilden Stubentiger, kommt als Notlösung ein Urin-Schnelltest infrage, welcher den Harnglukosewert erfasst.

Katze mit Diabetes bekommt Insulin verabreicht.

Wie verabreicht man der Katze Insulin?

In den Videobeiträgen erfahren Sie, wie Sie eine Insulinspritze richtig aufziehen und wie Sie der Diabetiker-Katze die Insulinspritze setzen. Ganz wichtig dabei: Halten Sie sich an die verschriebene Insulindosis und erhöhen oder verringern Sie die Dosierung nicht eigenständig – dies erfordert stets eine Rücksprache mit Ihrem Tierarztteam!

Online-Unterstützung für Sie bei der Behandlung Ihrer Diabetiker-Katze

Behalten Sie alle Messergebnisse und Therapieschritte mit einem Diabetes-Tagebuch immer im Blick: mit einem praktischen Online-Tool zur Erstellung eines Tagesprofils oder dieser App (App Store oder Google Play Store).

FAQ Diabetes bei Katzen:

Das Ziel der Insulintherapie ist die Verbesserung der klinischen Symptome (zum Beispiel vermehrtes Trinken und vermehrter Urinabsatz) der diabetischen Katze. Um dies zu erreichen wird versucht, die Glukosekonzentration im Blut der Katze so gering zu halten, dass kein Zucker über den Urin ausgeschieden wird. Diese sogenannte „Nierenschwelle“ liegt bei ca. 270mg/dl. Die Glukosekonzentration im Blut sollte idealerweise unter der Nierenschwelle liegen, der tiefste Wert aber nicht unter 80mg/dl fallen, da sonst die Gefahr einer Unterzuckerung besteht.

Wenn die Insulindosis zu hoch ist, sinkt der Blutzuckerspiegel der Katze stark ab. Die Folgen können Schwäche, Krampfanfälle und sogar vorübergehende Erblindung sein. Sie sollten das Tier sofort füttern – schnelle Hilfe bringt auch eine Zuckerlösung, die ins Maul getropft wird, oder Honig. Danach sollten Sie mit Ihrem Vierbeiner direkt in die Tierarztpraxis.1

Für Diabetiker-Katzen empfiehlt sich eine kohlenhydratarme, proteinreiche Diät – spezielles Katzenfutter ist kommerziell erhältlich. Es ist wichtig, dass Sie die vorgegebene Futtermenge exakt einhalten, damit die injizierte Insulinmenge zur Kohlenhydratmenge im Katzenfutter passt. Die Diät hilft auch, den Körperfettanteil übergewichtiger Katzen zu reduzieren. Die Samtpfote sollte nur so viel Futter erhalten, dass sie jede Woche ein bis zwei Prozent abnimmt.

Wenn Diabetes bei Katzen unerkannt bleibt, oder eine weitere schwere Erkrankung hinzukommt, wird es kritisch: Eine lebensgefährliche diabetische Ketoazidose ist die Folge. Die Katzen hören auf zu fressen und zeigen Erbrechen, Austrocknung (Dehydratation) und Apathie. Dieser Zustand erfordert eine sofortige Notfalltherapie. Jede fünfte bis sechste Katze überlebt die Ketoazidose leider nicht.

Während diabetische Hunde meist ihr Leben lang krank bleiben, sieht es bei Katzen anders aus: Bei 25 bis 50 Prozent der Tiere bildet sich der Diabetes zurück, wenn sie schnell und gut mit Insulin eingestellt werden. Die körpereigene Insulinproduktion erholt sich bzw. die Körperzellen sprechen wieder ausreichend auf Insulin an – man nennt das eine Remission. Dies ist allerdings keine Heilung, denn die Katzen unterliegen stets dem Risiko, einen Rückfall zu erleiden, z. B. bei einer Gewichtszunahme.1

Die Prognose einer diabetischen Katze hängt stark von zusätzlichen Krankheiten und dem Engagement von Herrchen oder Frauchen ab. Gut versorgte Katzen mit Diabetes leben häufig noch mehrere glückliche Jahre.